Claudi 666 Teil 3
Teil
3 Und
wieder begrüße ich euch, meine Wesen der Nacht! Wie ihr wisst,
hatte ich
letztes Mal diese Vergiftung wegen dem Hamsterblut. Aber jetzt geht es mir
wieder besser.
Ich habe einen argen Streit mit meiner Mama gehabt, weil sie gemeint hat,
der
ganze Satanismus ist nicht gut für mich. Aber ich habe ihr gesagt, dass
ich
sonst nicht mehr leben will, wenn ich mich nicht schwarz anziehen darf.
Dann
habe ich auf meinen grünen Invicta – Rucksack mit einem Filzstift HIM
draufgeschrieben,
wo das I ein verkehrtes Kreuz ist. Drunter habe ich ein
Pentagramm mit vier Sechsen gemalt. Ich glaube bei einem
Pentagramm gehören da
vier, obwohl nur drei Sechsen das Tier sein sollen.
Und wenn das Pentagramm mit
der Spitze nach oben ist, dann heißt das, dass man ein
Satanist ist. So steht
das zumindest im Bravo. Ich ziehe jetzt immer schwarze Röcke an, bei
denen ich
den Rand zu Spitzen zerschnitten habe, weil das habe ich in einem Katalog
gesehen und das ist auch ‚gothic’ und ganz modern. Drunter habe ich immer
Strumpfhosen mit Laufmaschen an, weil das abgefuckt ausschaut und böse.
Dazu
habe ich dann entweder schwarze Stiefel mit Absatz an, damit ich nicht so klein
bin,
oder meine Skaterschuhe. Die sind zwar braun, aber das ist auch fast
schwarz. In der Schule
schauen mich jetzt immer alle komisch an. Vielleicht
liegt das daran, dass ich jetzt jeden Tag mit
‚Corpsepaint’ oder wie das heißt,
in die Schule gehe oder auch daran,
dass sie alle von meiner
Hamsterblutvergiftung wissen. Ich glaube, die haben alle
Angst vor mir und mit
ihrem Lachen wollen sie das nur verbergen. Damit ich noch
böser ausschaue habe
ich mir ein grünes Hundehalsband gekauft. Da sind nämlich
Nieten drauf. Damit
es noch böser ausschaut, habe ich es schwarz angemalt.
Dann war wieder Samstag. Am Samstag darf ich fortgehen.
Zwar darf ich immer nur
bis sieben Uhr in der Stadt bleiben, aber das
reicht, um wieder in das böse
Lokal zu gehen, wo alle so sind wie ich. Ich
habe mich satanistisch angezogen
und Corpsepaint aufgemalt und das Kreuz
umgehängt und meine Nägel schwarz
angemalt. So bin ich dann in die Stadt gegangen.
Die Mama hat zwar geschimpft,
aber daran habe ich mich schon gewöhnt. Ich bin also wieder in
das Lokal
gegangen. Dort haben mich alle angestarrt und wieder zum Lachen angefangen.
Aber
ich glaube, die lachen nur, weil sie so freundlich sind. Dann habe ich den Mann
vom letzten Mal wieder gesehen.
Er hat mit einem Mädchen herumgeschmust, das
lange schwarze Haare hatte und auch so ein komisches
T-Shirt an. Sie hat sogar
ein verkehrtes Kreuz um den Hals hängen gehabt. Ich habe dem Mann auf die
Schulter geklopft.
Er hat sich umgedreht und mich böse angeschaut. Dann hat er
auch zum Lachen angefangen und seine Freundin noch mehr.
Ich glaube, seine
Freundin kenne ich. Die habe ich schon einmal in der Schule gesehen.
Ich habe
dem Mann und seiner Freundin erzählt, dass ich echt dem Hamster den Kopf
abgebissen habe. Dann haben sie noch mehr gelacht und ganz oft ‚Poser’
gerufen. Ich glaube, sie finden mich super.
Dann habe ich den Mann gefragt, ob
ich bei seiner Sekte mitmachen darf. Der hat mich dann ganz merkwürdig
angeschaut.
Er hat die Stirn gerunzelt und dann hat er wieder zum Lachen
angefangen und das ganze Lokal hat mitgelacht.
Ich habe auch mitgelacht, weil
eine Sekte ist ja was lustiges. Er hat dann gesagt, dass sie Leute wie mich
lustig finden
und dass ich ein blödes Kind bin und dass sie mich nicht mögen.
Und überhaupt, hat die Freundin von dem Mann dann gesagt, ist nicht jeder
Metaller ein Satanist und ich bilde mir das alles nur ein.
Da habe ich eine Wut
bekommen und habe fast zum Weinen angefangen. Ich habe meine
Fäuste ganz fest
zusammengeballt und dann habe ich mit piepsiger Stimme geschrieen,
dass sie alle
froh sein können, dass ich ihnen keine reinhaue. Stimmt ja. Weil so gemein müssen
die nicht sein.
Dann haben sie alle noch lauter gelacht und ganz viele Leute
sind um mich herumgestanden.
Ich habe noch eine riesigere Wut bekommen und dann
habe ich dem Mann eine Ohrfeige gegeben,
damit er merkt, dass man mich nicht
verarschen darf. Ich habe gebrüllt, dass er gar keine
Ahnung von Satanismus
hat. Der Mann hat wieder zum Lachen angefangen und um Hilfe geschrien.
Aber ich
glaube, das hat er nicht ernst gemeint. Zwei andere Männer haben mich dann aus
dem
Lokal gezerrt und mich zum Auto von meiner Mama gebracht, weil es war ja
schon sieben Uhr.
Meine Mama hat wieder fürchterlich geschimpft und hat
gemeint, ich brauche einen Psychiater.
Der würde mich wieder normal machen.
Dann habe ich ganz laut zum Weinen angefangen.
Zuhause habe ich mich dann in mein Zimmer eingesperrt und habe mir mit der
Schere versucht die
Pulsadern aufzuschneiden. Leider hat das nicht funktioniert.
Aber dafür laufe ich jetzt die ganze nächste Woche mit trägerlosen Hemden
herum, damit man die bösen Narben sieht.
Bis zum nächsten Mal,
eure
Satanic Claudy666
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